Prof. em. Dr. Jürgen Trabant (Vortrag) „Weltansichten: Wilhelm von Humboldt und die Sprachen der Welt“

9. Mai 2017, 18 Uhr c.t.
Haus zur Lieben Hand, Großer Saal Löwenstr. 16, Freiburg


Jürgen Trabant schreibt zu seinem Vortrag: Durch die Begegnung mit dem Baskischen wird Wilhelm von Humboldt zum Sprachwissenschaftler. Diese merkwürdige Sprache beschäftigt ihn so sehr, dass er zweimal ins Baskenland reist. Von da an gibt es kein Halten mehr: Humboldt stürzt sich geradezu in die Sprachen der Welt. Er plant ein Werk zum Griechischen. Er sammelt Materialien zu den amerikanischen Sprachen, die er strukturell zu beschreiben versucht. Er lernt immer neue Sprachen. Zum Sanskrit, zum Chinesischen, zu den ägyptischen Hieroglyphen legt er Studien vor. Schließlich widmet er sein Hauptwerk der Kawi-Sprache auf der Insel Java und den austronesischen Sprachen. Humboldt ist aber vor allem als Philosoph der Sprache bekannt, weniger als empirischer Linguist. Der Vortrag versucht zu zeigen, wie das linguistische Projekt des „vergleichenden Sprachstudiums“, also einer enzyklopädischen Deskription der Sprachen der Welt, zusammenhängt mit der tiefen philosophischen Reflexion über Sprache, deren Zentrum die Sprachen als „Weltansichten“ ausmachen. Die Linguistik hat allen Grund, den 250. Geburtstag Humboldts als eines ihrer Gründerväter zu feiern.