Privatdozentin Dr. Doris Tophinke
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Doris Tophinke, MAR 1999



Zur Person


Geb. 29.9.1963 in Harsewinkel (Westfalen); 1983 - 1988 Magisterstudiengang Sprachwissenschaft und Soziologie an der Universität Osnabrück; anschließend Promotionsstudiengang Sprachwissenschaft an der Universität Osnabrück, gefördert durch ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes; 1991 Promotion; Titel der Dissertation: "Sprach-biographie und Sprachstörung - Fallstudien zur Textproduktion bei hirnorganischen Erkrankungen" (betreut von Utz Maas).

Seit 9/1991 war Doris Tophinke wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 321 "Übergänge und Spannungsfelder zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit" an der Universität Freiburg; hier beschäftigte sie sich mit einer texttypologischen Untersuchung zu den hansischen Handelsbüchern ("rekensboeken") des 13. - 15. Jahrhunderts im Rahmen des interdisziplinären Teilprojekts B12 "Mittelalterliche Textgattungen im europäischen Kontext" (Leitung: Wolfgang Raible & Paul Gerhard Schmidt).

Die Schrift "Das hansische Handelsbuch des 13.-15. Jahrhunderts - eine texttypologische Untersuchung" wurde 1996 eingereicht. Im Januar 1997 erbrachte Doris Tophinke im Alter von 33 Jahren die letzte Habilitationsleistung, das wissenschaftliche Colloquium.

Seit 1. Juli 1997 arbeitet Doris Tophinke zusammen mit Claudia Riehl in einem eigenen Projekt im Rahmen des SFB 541.



Abstract der Habilitationsschrift

"Das hansische Handelsbuch des 13. - 15. Jahrhunderts - eine texttypologische Untersuchung"


Gegen Ende des 13. Jahrhunderts kommt es im Hanseraum zur Aneignung von Schriftlichkeit durch die Kaufleute. Neben kleineren Formen der Schriftlichkeit, wie sie Rechenschaftsberichte, Kaufmannsbriefe, Urkunden und Notizzettel darstellen, entwickeln die Kaufleute als Großform der Buchführung das Handelsbuch bzw. "rekensboek".

Die Handelsbücher prägen schon früh eine überregionale Texttypik aus. Dies betrifft vor allem die Muster, nach denen die verschiedenen Handelsaktivitäten verbucht werden. Die Belege dieser Muster in den erhaltenen Handelsbuchexemplaren des Untersuchungszeitraums spannen einen Geltungsraum auf, der in der West-Ost-Achse von Brügge über Rostock bis Danzig und in der Nord-Süd-Achse von Kiel bis Köln reicht.

Diese Muster werden nun nicht in der Handelspraxis neu entwickelt, sondern aus einem verwandten textkulturellen Bereich übernommen und adaptiert. Dies ist die städtische Rechts- und Verwaltungspraxis, und zwar insbesondere die Praxis, Privatgeschäfte zur Beweissicherung in die Schuldbuchabteilung des Stadtbuchs bzw. das Schuldbuch eintragen zu lassen. Die Form der Verbuchung in den städtischen Schuldbüchern ist das Modell für die Verbuchung der Geschäfte in den privaten Handelsbüchern.

Für die Soziogenese der Handelsbücher erweisen sich in diesem Sinne nicht allein funktionale Anforderungen einer sich entwickelnden Handelspraxis als leitend; die spezifische Form des Handelsbuchs ergibt sich vor allem aus der Texttradition, die zum schriftkulturellen Modell wird.

Die Analyse der überlieferten Handelsbuchexemplare basiert auf einer spezifischen Konzeption von Texttypik, die in einem ersten theoretischen Teil entwickelt wird. Sie greift Konzepte auf, die sich außerhalb der (Text-)Linguistik mit den generellen Aspekten des Typisierens befassen, und versucht, das Texttypisieren als "Spezialfall" dieses allgemeinen Typisierens zu fassen. Dies sind einmal phänomenologische und vor allem sozialphänomenologische Theorien, die das Typisieren im Zusammenhang mit der Soziogenese stabiler Objekt- und Handlungsstrukturen behandeln. Zum anderen sind es kognitionspsychologische bzw. kognitionswissenschaftliche Konzeptionen, die die allgemeinen Prinzipien des Erkennens und der kognitiven Speicherung solcher sozial konstituierten Objekte und Handlungen untersuchen.


Verzeichnis der wissenschaftlichen Veröffentlichungen

Buchveröffentlichungen


  • Doris Tophinke (1994). Sprachbiographie und Sprachstörung. Fallstudien zur Textproduktion bei hirnorganischen Erkrankungen. Wiesbaden: DUV. (zugleich Dissertation Osnabrück 1991)
  • Doris Tophinke (1999)Handelstexte Zu Textualität und Typik kaufmännischer Rechnungsbücher im Hanseraum des 14. und 15. Jahrhunderts. Tübingen: Narr (zugleich Habilitationsschrift Freiburg 1997).


Herausgeberschaft


  • Doris Tophinke (Hrsg.) (1989). Plattdeutsch - ein Pflegefall? Osnabrück: Manuskriptdruck.

  • Susanne Michaelis/Doris Tophinke (Hrsg.) (1996). Texte - Konstitution, Verarbeitung, Typik. München: Lincom.

  • Barbara Frank/Thomas Haye/Doris Tophinke (Hrsg.) (1997). Gattungen mittelalterlicher Schriftlichkeit. Tübingen: Narr. (ScriptOralia 99)


Aufsätze


  • Rita Beckemeyer/Doris Tophinke (1986). "Eine empirische Untersuchung zu den schriftsprachlichen Leistungen türkischer Schulkinder". In: Narrative Kompetenz. Mündliche und schriftliche Wiedergabe von Erzählstrukturen durch türkische Schulkinder in außerschulischen Lerngruppen. Hrsg. v. der Arbeitsstelle für Sprachprobleme von Migranten. Osnabrück, 66-118.

  • Utz Maas/Doris Tophinke (1993). "Loser und fester Anschluß. Versuch der Neubewertung einer abgelegten Kategorie". In: Sprachwandel und Sprachgeschichte. FS für Helmut Lüdtke. Hrsg. v. Jürgen Schmidt-Radefeldt und Andreas Harder. Tübingen: Narr, 133-151.

  • Doris Tophinke (1996). "Zwei Aspekte der Texttypik: Funktionalität und kulturelle Expressivität - ein historisches Fallbeispiel". In: Texte - Konstitution, Verarbeitung, Typik. Hrsg. v. Susanne Michaelis u. Doris Tophinke. München: Lincom, 101-116.

  • Doris Tophinke (1997). "Zum Problem der Gattungsgrenze. Möglichkeiten einer prototypentheoretischen Lösung". In: Gattungen mittelalterlicher Schriftlichkeit. Hrsg. v. Barbara Frank, Thomas Haye und Doris Tophinke. Tübingen: Narr, 161-182. (ScriptOralia, Band 99).

  • Doris Tophinke (1998). "Zur Schriftpraxis einer Kaufmannsfrau im Spätmittelalter Die Briefe der Margarethe Veckinchusen". In: Bausteine zu einer Geschichte des weiblichen Sprachgebrauchs III. Hrsg. v. Gisela Brandt. Internationale Fachtagung TU Dresden 15.-16.9.97. Stuttgart: Heinz, 5-22.

  • Doris Tophinke (erscheint demnächst) "Texttheorie". In: Lexikon der Romanistischen Linguistik (LRL). Hrsg. v. Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt. Tübingen: Niemeyer, Band I, Artikel 38.

  • Doris Tophinke (1999). "Das kaufmännische Rechnungsbuch im Kontext städtisch-amtlicher Schriftlichkeit". In: Niederdeutsches Jahrbuch 122, 25-43.

  • Doris Tophinke (2000). "Autonome Aspekte gesprochener und geschriebener Sprache: Theoretische Überlegungen und empirische Befunde." In: Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht (SuL) 85, 3-22.

  • Doris Tophinke (2000). "Zur Wortabtrennung in den Werler Statuten des 14. und 15. Jahrhunderts - eine exemplarische Analyse." In: Beiträge zur historischen Stadtsprachenforschung. Elmentaler, Michael (ed.). Wien: Edition Präsens.



Rezensionen


  • zu: Martina Drescher. Verallgemeinerungen als Verfahren der Textkonstitution. Stuttgart 1991 (= Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, Beihefte, Neue Folge Heft 20). In: Romanische Forschungen 3, 4 (1995), 439-440.

  • zu: Bausteine zu einer Geschichte des weiblichen Sprachgebrauchs III. Internationale Fachtagung TU Dresden, 15.-16.9.1997. In: Zeitschrift f&uuml:r Germanistische Linguistik (ZGL)26 (1998), 83-85.

  • gemeinsam mit Evelyn Ziegler zu: 21. Jahrestagung "Sprachwandel" der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS); 24.-26.2.1999 in Konstanz. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik 27 (1999), 357-361.



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paginam hanc fecit W.R.



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