Susanne Buck



Promotionsprojekt


In Susanne Bucks weit fortgeschrittenem Dissertationsprojekt geht es um die Entwicklung der französischen Wissenschaftssprache und ihrer Gattungen zwischen Nicole Oresme und René Descartes. Dies entspricht dem von Leonardo Olschki angekündigten vierten Band der Geschichte der neusprachlichen wissenschaftlichen Literatur (drei Bände sind 1919, 1922 und 1927 erschienen).

Daß sich Olschki nicht mehr mit diesem Projekt befaßt hat, lag nicht nur am beginnenden Dritten Reich. Es lag auch daran, daß ein großer Teil der Texte, die hier relevant sind, nicht ediert oder nicht publiziert sind. Archivarbeit ist also angesagt - und gerade hier haben sich höchst aufschlußreiche Entdeckungen ergeben. Wenn man Verfügungswissen an solche Personen vermittelt, die Latein können und bereits die lateinischen Gattungstraditionen mit ihren Konventionen kennen, braucht man nicht sonderlich innovativ zu sein. In dem Maße, in dem Wissenschaftler für ein volkssprachliches Publikum schreiben, machen sie sich jedoch - zumal bei der Möglichkeit einer größeren Verbreitung der Texte durch den Buchdruck - zunehmend Gedanken darüber, was sie tun müssen, um ihren Stoff zu ordnen und ihn in einer vernünftigen und verständlichen Weise den Lesern darzubringen. Die Reflexionen dazu finden sich meist in den Vorreden oder Vorworten ihrer Texte.

Das Interessante ist nun, daß nicht nur neue Text- oder Gattungsformen entstehen wie etwa eine rationale gegenüber einer lateinischen, alphabetisch geordneten Pharmakopöe, sondern vor allem ein intensiver discours de la méthode lange vor Descartes (aber zum Teil mit Formulierungen, die sich genauso oder ähnlich später bei Descartes finden). Es ist dies auch ein schöner Beweis dafür, wie Popularisierung von Wissenschaft die Wissenschaft beflügeln und mit den Textgattungen zugleich das Verständnis von Wissenschaft verändern kann.

Das Projekt wird gefördert im Rahmen des Freiburger SFB 321 "Übergänge und Spannungsfelder zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit".

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paginam hanc fecit W.R.