Wolfgang Raible

Hauptseminar:
Filmanalyse

Um 'die Welt' zu verstehen und um selbst sozial handlungsfähig zu werden, brauchen wir symbolische Kompetenz. Wir erwerben sie nach und nach in der Ontogenese: Was ist ein Versprechen, ein Fussballspiel, ein Lehrer-/Schüler-Verhältnis, ein Flirt, eine Ehe, eine Diskussion, eine Wahlversammlung, ein mittelständischer Betrieb?..., welches Wissen und welche Verhaltensmuster sind nötig, um sich in entsprechenden Kontexte zu orientieren, etc.?

Ein beträchtlicher Teil dieser Kompetenz wird durch den Umgang mit symbolischen Formen (der Begriff stammt von Ernst Cassirer) erworben, also in medialer Vermittlung. Das Buch (die Lektüre von Romanen ist hier die wohl typischste Form) wird in seiner Bedeutung zunehmend reduziert durch visuelle Medien (Film, Fernsehspiele, Fernsehserien).

Während Studierende in philologischen Disziplinen lernen, mit Texten umzugehen, erfahren sie wenig über die visuellen Medien, deren Bedeutung den gedruckten mindestens ebenbürtig ist. Das Seminar soll dazu beitragen, eine -- heutzutage unabdingbare -- Kompetenz im Beurteilen und Durchschauen medialer Formen aufzubauen.

Dabei geht es um drei Bereiche: Geschichte der modernen Medien und ihrer Formen (speziell Filmgeschichte); Instrumentarien der Analyse (Filmanalyse, Filmsemiotik, die mit durchaus linguistischen Methoden arbeitet) und Anwendung bzw. Vertiefung an praktischen Beispielen. Von den für jede Sitzung angebotenen Film-Beispielen kann, wenn es sich nicht um Vergleiche handelt, nur eines ausgewählt werden. Es geht ausnahmslos um Filme, die durch ein breites Publikum sehr positiv bewertet wurden.

Die Auswahl der zu analysierenden Filme ist nicht ganz willkürlich. Wichtiges Kriterium war eine sehr positive Bewertung durch eine möglichst große Zahl von Rezipienten, gemessen an den Ratings der Internet Movie Database.

Die Einzelanalysen sollen so aussehen, dass der Film zunächst in seine filmische Diskurstradition eingeordnet (Vorläufer, Nachfolger) und dann analysiert wird. Dabei erweisen sich Drehbücher (so vorhanden) als besonders nützlich. Eigene Sequenzprotokolle sind unabdingbar.

Das Seminar erfordert einen hohen gemeinsamen Zeitaufwand: Nicht nur werden Referate nicht gehalten, sondern ausgelegt und von allen Teilnehmern vor der Sitzung gelesen (Pflicht!); es hat auch wenig Sinn, die Analyse eines Films zu rezipieren, den man nicht zuvor gsehehn hat. Dies wird dadurch gewährleistet, dass die betreffenden Filme ggf. am Abend zuvor (Do 19.30-22 Uhr) gemeinsam angesehen werden.

Die Zahl der Teilnehmer ist beschränkt. Voranmeldung in der Sprechstunde ist erforderlich.

Die Ergebnisse und der Verlauf des Seminars können von hier heruntergeladen werden. Es handelt sich um ein dynamisches .pdf-File.



Nr.

Datum

Thema

Referentin/
Referent

Grundlagen
1 27.10.2006 Wie analysiert man Filme? -- Semiotische und technische Aspekte Diana Schwarz
2 03.11.2006 Filmgeschichte bis 1925 X.Y.
3 10.11.2006 Filmgeschichte nach 1925 Vanessa Eiberle
4 17.11.2006 Filmmusik -- Relikt aus der Stummfilmzeit oder ein integrierender Bestandteil des Films? Robert Hild
Der Stummfilm und seine Techniken
5 24.11.2006 Sergeij Eisenstein: Bronenosets Potemkin [Panzerkreuzer Potemkin] (1925),
oder Charlie Chaplin: Gold Rush (1925)
Caecilia Hinsken
Die Bildung und Veränderung filmischer Diskurstraditionen
6 01.12.2006 Akira Kurosawas Kakushi toride no san akunin [Three Rascals in the Hidden Fortress] (1958) und George Lucas' Star Wars (1977) Frauke Wunder
7 08.12.2006 Die Tradition des Western und seine Neudefinition durch Sergio Leone: Il buono, il brutto il cattivo (1966) Katharina Martina Braun
8 15.12.2006 Alejandro González Iñarritu: Amores perros (2000) und Paul Haggis: Crash (2004) Sebastian Gibis
Mystery & crime
9 22.12.2006 Alfred Hitchcock, Rear Window (1954) oder
Psycho (1960)
Gianna Hermann
10 12.01.2007 David Fincher: se7en (1995) oder
Jonathan Demme: The Silence of the Lambs (1991) oder
David Lynch: Dr. Mulholland (2001)
Anna Ebert
Ästhetisierung von Gewalt
11 Samstag 20.01.2007, 10-12 Uhr Quentin Tarantino: Pulp Fiction (1994) oder
Luc Besson: Léon (1994)
Simon Klink
12 26.01.2007 David Fincher: Fight Club (1999)
oder Fernando Meirelles, Cidade de Deus (2002)
Adriane Sehlinger
Behandlung von Tabuthemen
13 02.02.2007 Thomas Vinterberg: Vesten (1998);
oder Lasse Hallström: The Cider House rules (1999)
Markus Koller
Unfassbares fassbar machen
14 09.02.2007 Steven Spielberg: Schindler's List (1993) und Roberto Benigni: La vita è bella (1998) Melanie Hermann
Übergreifendes
15 16.02.2007 Der spanische Film nach Franco Ewa Vorreiter
Nr Datum Thema Referentin/Referent


"Außer Konkurrenz" nehmen teil: Marion Konrad, Berthold Linder, Lena Eckert, Mariella Martino

Warteliste: Anna Brod, Julia Häbig, Julia Vanessa Ernst, Karla Gisy, Konan Alexise