Logische Relationen zwischen Propositionen


Letztes Update 29.11.1999

Relation


Merkmale

konditional

temporal

kausal

konsekutiv

final

konzessiv

Implikation

ja ja ja ja ja ja

Zeit

+/- ja ja ja ja ja

Ursache

+/- +/- ja ja ja ja

Wirkung

+/- +/- +/- ja ja ja

Intendierte Wirkung

+/- +/- +/- +/- ja +/-

nicht erwartete Implikation

+/- +/- +/- +/- +/- ja

Beispiele für den "Spezifizierten Hypothesis-Funktor *Y*"

(Klaus Heger & Klaus Mudersbach, Aktantenmodelle, Heidelberg 1984, S. 62ff.)

Y steht für eine Implikationsbeziehung, die beiden Asterisken (*Y*) sind Stellvertreter für die beiden Propositionen, die die Glieder der Implikation sind. Hier werden vier Möglchkeiten unterschieden:
= bedeutet: der Sprecher weiß, daß die betreffende Proposition zutrifft;
- bedeutet: der Sprecher weiß, daß die betreffende Proposition nicht zutrifft;
? bedeutet: der Sprecher weiß nicht, ob die betreffende Proposition zutrifft;
Ø bedeutet: es wird keine Angabe über das Wissen des Sprechers gemacht.
Daraus ergeben sich 16 Kombinationsmöglichkeiten, die jeweils in der linken Spalte stehen, rechts daneben seht ein Beispielsatz, der dem entspricht.
Vorausgesetzt ("supponiert") ist in dem Beispiel, daß der Sprecher aus Erfahrung weiß:
Wenn immer Yvonne ruft, kommt Karl.

Reales Konditionalgefüge

ØYØ Wenn Yvonne gerufen hat [der Sprecher läßt offen, ob er es weiß], ist Karl gekommen.

Hypothetisches Konditionalgefüge

¿Y? Wenn Yvonne gerufen haben sollte [ich, der Sprecher weiß es allerdings nicht], dürfte Karl gekommen
sein.

Irreales Konditionalgefüge

-Y- Wenn Yvonne gerufen hätte [ich, der Sprecher, weiß, daß sie es nicht getan hat], wäre Karl gekommen.

Kausalgefüge

=Y= Weil Yvonne gerufen hat, ist Karl gekommen.

Reales Suppositionsgefüge

=YØ Da Yvonne gerufen hat, muß Karl gekommen sein.
ØY= Yvonne muß gerufen haben, da Karl gekommen ist.

Irreales Suppositionsgefüge

-YØ Wenn Yvonne gerufen hätte [ich, der Sprecher, weiß, daß sie es nicht getan hat], müßte Karl gekommen sein.
ØY- Wenn Karl gekommen wäre [ich, der Sprecher, weiß, daß dies nicht der Fall ist], müßte Yvonne gerufen gehabt haben.

Hypothetisches Suppositionsgefüge

¿YØ Wenn Yvonne gerufen haben sollte, müßte Karl gekommen sein.
ØY? Wenn Karl gekommen sein sollte, müßte Yvonne gerufen gehabt haben.

Dubitatives reales Suppositionsgefüge

=Y? Da Yvonne gerufen hat, müßte Karl eigentlich gekommen sein.
¿Y= Da Karl gekommen ist, müßte Yvonne eigentlich gerufen gehabt haben.

Dubitatives irreales Suppositionsgefüge

-Y? Wenn Yvonne gerufen hätte, müßte Karl eigentlich gekommen sein.
¿Y- Wenn Karl gekommen wäre, müßte Yvonne eigentlich gerufen gehabt haben.

Konzessivgefüge

=Y- Obwohl Yvonne gerufen hat, ist Karl nicht gekommen.
-Y= Obwohl Karl nicht gekommen ist, hat Yvonne gerufen gehabt.
Es zeigt sich an diesen "noematischen" Überlegungen, daß Kausalität und Konzessivität Sonderfälle von Implikationen sind. Es zeigt sich weiterhin, daß in einer Sprache wie Deutsch neben den Konjunktionen (hier wenn, da/weil, obwohl) die Modi des Verbs (Indikativ/Konjunktiv), Modalverben (müßste, sollte, dürfte) und andere Modalisatoren (eigentlich) eine wichtige Rolle spielen. Zudem wird deutlich, dass man die deutsche Sprache z.T. ziemlich strapazieren muß (gerufen gehabt haben...)