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Inhalt:
Die Grammatikalisierungstheorie hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Beschreibungs- und
Erklärungsansatz für Sprachvariation und Sprachwandel entwickelt. Der Grundgedanke dieses Ansatzes besteht darin, dass ein
beträchtlicher Teil der sprachlichen Dynamik darauf zurückzuführen ist, dass lexikalische Elemente des Sprachsystems
grammatische Funktionen übernehmen oder grammatische Elemente andere, abstraktere grammatische Funktionalitäten entwickeln und dass
sich solche Prozesse entlang von universalen, auf kognitiven Grundlagen und Parametern aufbauenden Grammatikalisierungspfaden abspielen.
In diesem Kurs beschäftigen wir uns mit der Grammatikalisierungstheorie in ihren verschiedenen, teilweise eher morphologisch, teilweise
eher pragmatisch ausgerichteten Spielarten, ihren Grundannahmen und zentralen Begriffen, den ihr nahestehenden Mechanismen von Reanalyse,
Lexikalisierung und Pragmatisierung und ihrer Anwendung auf diachrone und synchrone Fragen der romanischen Sprachwissenschaft. Zur
einführenden Lektüre wird empfohlen:
- Wischer, Ilse (2006): Grammaticalization. In: Brown, K. (ed.): Encyclopedia of Language and Linguistics, Bd. 6, Amsterdam et al.:
Elsevier, S. 129-136.
- Lamiroy, Béatrice (2004): La teoría de la gramaticalización y sus aplicaciones en las lenguas románicas.
ELUA. Estudios de Lingüística, Anejo 2, S. 245-266.
Zur kursbegleitenden Lektüre dienen:
- Smirnova, Elena / Mortelmans, Tanja (2010): Kap. 6 Grammatikalisierungstheorie. In: dies.: Funktionale Grammatik - Konzepte und
Theorien, Berlin et al.: De Gruyter, S. 173-212.
- Narrog, Heiko / Heine, Bernd (eds. 2011): The Oxford Handbook of Grammaticalization, Oxford et al.: Oxford University Press.
Organisatorisches:
In diesem Kurs alternieren theoriebezogene und anwendungsbezogene Sitzungen. In den Theoriesitzungen werden zentrale
Konzepte und Begriffe im Umfeld der Grammatikalisierungstheorie anhand von Lektüretexten, die von allen gelesen wurden und von den
ReferentInnen zusammengefasst und kommentiert werden, diskutiert. In den Anwendungssitzungen werden diese Konzepte und Begriffe an
ausgewählte sprachliche Phänomene aus unterschiedlichen romanischen Sprachen, die sich mit der Grammatikalisierungstheorie gut
erfassen lassen, angelegt, wobei die Wahl der sprachlichen Phänomene in Absprache mit den ReferentInnen der jeweiligen Sitzungen und deren
sprachlichen Kenntnissen und Präferenzen erfolgt. Neben der Übernahme eines Theorie- oder Anwendungsreferats und der Lektüre der
Texte für die einzelnen Sitzungen wird die Teilnahme an einer Abschlussklausur oder die Redaktion einer Kurzhausarbeit erwartet, die nach
Abschluss des gesamten Kurses - also nach Semesterende - über das Thema des Referats oder ein anderes Thema aus dem Inhaltsbereich des
Kurses verfasst wird. Der Kurs findet in deutscher Sprache statt; neben Kenntnissen in mindestens einer romanischen Sprache werden ausreichend
gute Lesekenntnisse des Englischen vorausgesetzt, da ein Großteil der zu konsultierenden Fachliteratur auf Englisch vorliegt.
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