La potentialité d'un récit. Georges Perec, Le voyage d'hiver et treize suppléments.

Die Textgrundlage dieses Seminars bildet ein Korpus von 13 kurzen Erzählungen oulipistischer Autoren, jeweils nicht länger als 12-40 Seiten, die ihren Ausgangspunkt in einer Erzählung Georges Perecs haben: Le Voyage d’hiver (1979). In dieser Erzählung geht es um die Entdeckung eines verkannten und vergessenen Autors des 19. Jahrhunderts, Hugo Vernier, dessen Werk die bekanntesten französischen Verse des 19. Jahrhunderts enthält. Autoren wie Baudelaire, Rimbaud, Mallarmé, Cros u.a. werden dadurch als Plagiatoren Hugo Verniers entlarvt.Vincent Degraël, der Entdecker des Werkes von Hugo Vernier, macht sich auf die Suche nach Informationen über Hugo Vernier und verliert darüber den Verstand. Das Werk Hugo Verniers scheint für immer verloren. 1992 eröffnet Jacques Roubaud mit Le voyage d’hier den Reigen der auf Perec zurückgreifenden Erzählung, die nun in immer neue literarische, politische, musikalische, künstlerische Dimensionen in den weiteren Erzählungen ausufert, wobei der Bezug zu den jeweils vorliegenden Erzählungen immer wieder mitreflektiert, plagiiert und rektifiziert wird. Es entsteht so etwas wie eine Gesamterzählung mit einem kollektiven Autor, deren gemeinsames Merkmal ein virtuoses Spiel mit Hyperrealität, Plagiat, Intertextualität und Fiktion darstellt. Den im Perecschen Text angelegten Möglichkeiten, sowie deren je individueller Ausgestaltung durch die einzelnen Autoren, soll in diesem Seminar nachgegangen werden. Erwünscht sind Lust/Interesse an der Kombinatorik, am Sprachspiel, literaturgeschichtlichen und literaturtheoretischen Finten und am Dechiffrieren.- Da die Texte im Buchhandel nicht erhältlich sind, wird ein Reader mit den Erzählungen erstellt, der, gegen eine Gebühr, ab Mitte September erworben werden kann.