
In La voix et le phénomène (VPh) entfaltet Derrida vor dem Hintergrund von Husserls Logischen Untersuchungen (LU) und der darin zeichentheoretisch grundierten Reflexion über die Bedeutungsstruktur der Sprache eine Phänomenologie der Stimme in “nuce”. Diese spielt dabei eine veranschaulichende als auch dekonstruktive Rolle. Die Selbstpräsenz der Stimme, so wie wir sie sprechend und hörend als selbstaffektive Bedeutungsproduktion gegenwärtigen Sinns leiblich erfahren, erweist sich in dieser Innerlichkeit, Idealität und Identität von Bedeutung für Derrida als die Matrix eines Kernbereichs von Präsenzmetaphysik. Die Stimme wird so zur Chiffre von bewusstseinsimmanenter Sinnkonstitution überhaupt.
Dieser Stimme setzt Derrida die Schrift entgegen. Deren Differenzstruktur, die jener als différance bezeichnet, und die sich im diakritischen Zeichensystem der Schrift paradigmatisch zeigt, sei für alle Sinnkonstitution grundlegend. Während Husserl bestehende Zeichensysteme nur als konventionelle äußere Anzeichen auffasst, nimmt Derrida diese Äußerlichkeit der Schrift auf, um sie der Innerlichkeit, Identität und Idealität der sprechenden Stimme entgegenzusetzen, ja dieser unterzulegen. Das Seminar wird in einer feingliedrigen Lektüre sowohl Derridas VPh als auch die zentralen Stellen aus den LU mit dem Ziel hinterfragen, Derridas Gegenüberstellung von Stimme und Schrift kritisch zu beleuchten. Leitend soll dabei die Frage nach der Äußerlichkeit und der différance der Stimme sein.