Maja Lenz

"Rezeption des Nouveau Roman in Deutschland"

Die Wiederaufnahme der deutsch-französischen Beziehungen in der Nachkriegszeit wird von einem starken Interesse Deutschlands an französischer Literatur begleitet. Dies schlägt sich in einer regen Übersetzungs- und Publikationstätigkeit nieder. Seit den 50er Jahren hat die Rezeption französischsprachiger Literatur in Deutschland jedoch stetig an Bedeutung verloren. Liegt der Übersetzungsanteil aus dem Französischen ins Deutsche damals bei 22 Prozent, ist von diesem Zeitpunkt an ein Abwärtstrend zu beobachten, der in den 90er Jahren unter zehn Prozent sinkt. Ziel der projektierten Studie ist es, anhand der wichtigsten Vertreter des Nouveau Roman - Michel Butor, Robert Pinget, Alain Robbe-Grillet, Nathalie Sarraute und Claude Simon - die Rezeptionsmechanismen französischsprachiger Literatur in Deutschland zu analysieren. Welche Mechanismen des Literaturbetriebs sind für Interesse oder Desinteresse, für Rezeption oder Nicht-Rezeption verantwortlich?

Die Ursachen für diese Sachlage sind bei den Institutionen zu suchen, die für den Fluss der Literatur von Frankreich nach Deutschland verantwortlich sind: Verlage, Zeitschriften und Zeitungen, Übersetzer und Kritiker beiderseits des Rheins. Um die Beiträge und den tatsächlichen Einfluss der unterschiedlichen Akteure zu ermitteln, möchte ich folgender Fragestellung nachgehen: Was geschieht mit einem Buch, nachdem es in Frankreich veröffentlicht wurde? Warum gewinnt ein Autor die Gunst des Publikums, warum wird ein anderer nicht beachtet? Welche Rolle spielen die Autoren des Nouveau Roman in den 60er Jahren in Deutschland und welchen Stellenwert genießen sie heute? Hat die Theorie des Nouveau Roman auch ihren Niederschlag in deutschen Werken gefunden?

Grundlage meiner Untersuchung ist eine detaillierte Auflistung aller veröffentlichten Werke der genannten Autoren im Original sowie in deutscher Übersetzung. Darauf basierend lässt sich der Rezeptionsrhythmus bestimmen sowie feststellen, welche Werke des Nouveau Roman dem Publikum auch heute noch zugänglich sind. In Gesprächen mit Lektoren und Übersetzern möchte ich dann klären, wie und unter welchen Umständen aus dem Original das übertragene Werk entstanden ist. In einer dritten Stufe soll die eigentliche Rezeption durch die Kritiker in den Printmedien untersucht werden. Der Rezeptionsfluss wird somit in seiner Gesamtheit analysiert. Diese Art der Auseinandersetzung mit der Thematik, die die Hintergründe beleuchtet und die Mechanismen im einzelnen analysiert, steht bisher noch aus und bleibt ein Desiderat der Forschung.

Da durch die vermittelte Literatur auch das Bild vom Nachbarland geprägt wird, ist eine solche Untersuchung im Hinblick auf die deutsch-französische Verständigung ebenfalls relevant.

Kontakt:

majalenz@yahoo.de


Zurück zu: