Daniela Högerle

Französische Kulturpolitik in Südbaden 1945-1954

Als französische Truppen am 21. April 1945 Freiburg besetzten, löste dies in der Bevölkerung unterschiedliche Reaktionen aus. Der Erleichterung über das Ende des Krieges und der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Leidenszeit stand die Ungewissheit und Angst vor einer Besatzung durch den „Erbfeind" entgegen. Umfragen zufolge wurde die französische Besatzungszone von einem Großteil der Menschen im Südwesten als die schlimmste Besatzungszone überhaupt angesehen.
Ziel der Alliierten war es, die Deutschen zu entnazifizieren und zu demokratisieren. Bestandteil dieser sog. Umerziehungspolitik war die Kulturpolitik, die insbesondere in der französischen Zone einen hohen Stellenwert einnahm und seither in der Literatur kontrovers diskutiert wurde.
Lange Zeit hielt sich in der Forschung das Bild von der unbarmherzigen Sicherheits- und Reparationspolitik der Franzosen. Die Schwarzwaldabholzung und wirtschaftliche Ausbeutung der Besatzungszone für den Wiederaufbau Frankreichs sind nur einige Beispiele. Vor diesem Hintergrund wurde die französische Kulturpolitik oft als Methode verstanden, um diese besonders strenge Besatzungspolitik der Franzosen nach außen hin zu verschleiern.
Im Laufe der Jahre wurde aber immer mehr die These vertreten, dass die Kulturpolitik der Franzosen ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung, d.h. zur Aussöhnung zwischen den Erbfeinden war. Dies war nicht zuletzt auf die Initiative einzelner Akteure in der französischen Zone zurückzuführen - teilweise gegen den Widerstand der eigenen Regierung in Paris.

Vor dem Hintergrund dieser beiden Thesen zur Intention der französischen Kulturpolitik, soll deren Realisierung im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen. Es soll dabei der Fragestellung nach der Umsetzung der Kulturpolitik und der daraus resultierenden Frage nach der Resonanz auf die vielfältigen kulturellen Aktivitäten nachgegangen werden.
Wie setzten die französischen Besatzer ihre Kulturpolitik in Südbaden in die Praxis um? Wie sah diese vielzitierte "Zeit der schönen Not" für die Südbadener tatsächlich aus? Von Theater- und Kinovorstellungen über Konzerte und Ausstellungen wurde der südbadischen Bevölkerung eine Vielfalt an kulturellen Veranstaltungen geboten. Inwieweit wurde von diesem Angebot Gebrauch gemacht ?
In diesem Zusammenhang soll ebenfalls untersucht werden, nach welchen Kriterien die französische Militärregierung die der „Umerziehung" dienenden Werke und Autoren auswählte. Kritiker sehen in der Bevorzugung einzelner Werke einen gezielte Propaganda der französischen Besatzer, die den Deutschen wenig geistige Freiräume ließ. Neben der Frage der Literaturvermittlung und Übersetzung wird auch das Presse- und Verlagswesen, das in dieser Zeit eine neue Blüte erlebte, näher untersucht. Welche Verlage gab es in Südbaden und welche Zeitungen und Zeitschriften wurden neu ins Leben gerufen? Was waren deren Inhalte?
Zudem soll das damalige Programm der Volkshochschule mit seiner breiten Palette kultureller Veranstaltungen sowie das Angebot des 1946 in Freiburg neu gegründeten Institut Français analysiert werden, welches damals wie heute mit Sprachkursen, Vorträgen etc. gezielt die französische Kultur vermittelt.
Mit Beginn der Währungsreform in Deutschland im Jahre 1948 lässt sich ein Einbruch in den Besucherzahlen bei kulturellen Veranstaltungen beobachten. Man hatte sich mit der Kultur Abwechslung von der Alltagsnot und eine Fluchtmöglichkeit aus derselben geschaffen. Mit der Währungsreform traten andere, materielle Werte in den Vordergrund. Die Entwicklung der französischen Kulturpolitik nach 1948 soll ebenfalls dargestellt werden. Hier sollen die sowohl von französischer als auch von deutscher Seite intensivierten kulturpolitischen Initiativen der Folgejahre untersucht werden, die schließlich zum Abschluss des deutsch-französischen Kulturabkommens im Jahr 1954 führten.
 
 

 Kontakt: danielahoegerle@gmx.de 
             


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