Markus Gerlach

"Die kritische Rezeption Ernst Jüngers und Louis-Ferdinand Célines in Deutschland und Frankreich"



Eine komparatistische Studie zu zwei so stilistisch, thematisch und weltanschaulich diametral entgegengesetzt scheinenden Autoren wie Louis-Ferdinand Céline (1894-1961) und Ernst Jünger (1895-1998) zu verfassen, mag auf den ersten Blick etwas gewagt erscheinen.

Die im Rahmen des vorliegenden Dissertationsprojektes interessierenden Parallelen liegen in ihrer Rezeption in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg: beide erfuhren in der Nachkriegszeit nach einer "traversée du désert" eine (partielle) Konsekration, die aber von virulenten Debatten zwischen Gegnern und Adepten ihres Werks - bzw. der von ihnen verkörperten Weltanschauung - geprägt war. Anhand dieser extrem polarisierten Debatten, in denen ideologische und politische Überlegungen kunstimmanenten Bewertungskriterien gegenüberstehen und grundlegende Fragen wie der jeweils spezifisch nationale Umgang mit der Vergangenheit oder die gesellschaftliche Verantwortung des Künstlers verhandelt werden, wird offensichtlich, in welchem Maße Positionskämpfe, Transgressionen und das Ringen um Autonomie oder Einfluss die ästhetische Bewertung beeinflussen, wenn nicht determinieren.

Die vorliegende Arbeit versucht, mittels einer literatursoziologisch orientierten Analyse der Rezeption der beiden Autoren zwischen 1960 und 1985 die literarischen Felder Deutschlands und Frankreichs sowohl auf der Produktions- wie auch auf der Rezeptionsebene zu rekonstituieren. Die Arbeit bedient sich dazu zweier Ansätze: zunächst soll mithilfe der von Pierre Bourdieu in seinen Arbeiten zum literarischen Feld entwickelten Kategorien versucht werden, die Autoren und ihre Rezipienten in den jeweiligen literarischen Feldern ihrer Zeit und ihres Landes zu verorten. Mittels diskursanalytischer Methoden soll anschließend die Rezeption vor allem zwischen 1960 und 1985 - d.h. die Phase der Konsekration - inhaltlich analysiert werden. Der zweifach vergleichende Ansatz der Arbeit soll dabei ermöglichen, die über den individuellen Fall hinausgehenden, die Diskurse in diesen Feldern jeweils determinierenden Paradigmen in den Blick zu bekommen.



Kontaktadresse : gerlach@univ-paris12.fr




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